Cineasten kaufen bei The Criterion Collection

Warum das so ist? The Criterion Collection ist ein US-amerikanisches Unternehmen, das es sich zur Aufgabe gemacht hat, Filme – zumeist (seltene) europäische und japanische Arthaus-Produktionen sowie Klassiker – in wertvoller Ausstattung und bester technischer Qualität herauszugeben. So restauriert es viele der von ihnen angebotenen Filme eigenständig. Die Covergestaltung ist herausragend und daher auch für Sammler geeignet. Die zahlreichen Extras, die jede DVD enthält, sind ebenfalls von hoher Qualität und geben dem Zuschauer einen tieferen, umfassenderen Einblick in das von ihm gesehene Filmkunstwerk. Ergänzt wird das Ganze durch das beiliegende Booklet, welches diverse Essays und Informationen zum Film bereithält.

Wer sich auch außerhalb des Mainstreams für Film interessiert, dem bietet die Criterion Collection die Möglichkeit einer ersten Orientierung im Weltkino und eröffnet ihm völlig neue Welten.

Hier sind nun drei Titel angezeigt, die erst kürzlich veröffentlicht wurden bzw. demnächst erscheinen, und die ich persönlich besonders schön in der Gestaltung finde.

© The Criterion Collection

© The Criterion Collection

© The Criterion Collection

Da die Criterion Collection mittlerweile zu einem sehr prestigeträchtigen Label geworden ist und als Parameter für gute oder schlechte Filme herhalten muss, bleibt Kritik natürlich nicht aus, die sich aber mehr an die Konsumenten als an das Unternehmen selbst richtet. So gibt es Stimmen, die automatisch jeden Film, der von der Criterion herausgegeben wird, als besonders gut bewerten, was sicherlich nicht immer der Fall ist. Im Gegenzug sollte man genauso wenig auf Filme verzichten, die die Criterion Collection aus dem Programm lässt. Insofern muss man sich schon auf seinen eigenen Geschmack verlassen und nicht wahllos nach etwas greifen, was einen im Grunde nicht interessiert. Allerdings bin ich dennoch der Meinung, dass Filmliebhaber hier einfach auf ihre Kosten kommen.

Aber natürlich gibt es neben der Criterion Collection auch andere tolle Labels, die hier nicht unerwähnt bleiben sollen:

Masters of Cinema

Artificial Eye

Cinema Guild

Edition Filmmuseum (spezialisiert auf historische und vergessene Filme)

Filmverlag der Autoren (widmet sich vor allem dem Neuen Deutschen Film, über den ich in einem extra Artikel irgendwann noch einmal ausführlich berichten möchte)

Editions Montparnasse (französischsprachig)

BFI

Und nun viel Spaß beim Stöbern, Entdecken und Filme gucken!

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„Love, pop et cinéma“ – Festival de Cannes

Bronx (Paris) - Paul Newman et Joanne Woodward © 1963 by Paramount Pictures Corporation and Llenroc Productions.

Bronx (Paris) – Paul Newman et Joanne Woodward
© 1963 by Paramount Pictures Corporation and Llenroc Productions.

„Love, Pop et cinéma“ – so lautet das Motto der diesjährigen 66. Filmfestspiele in Cannes und dementsprechend ist auch das wunderschön gestaltete Plakat dem poppigen Stil der 60er Jahre angepasst worden. Joanne Woodward und Paul Newman zieren es in einer liebevollen, leidenschaftlichen Pose, die für den Film „A New Kind of Love“ (1963) von Melville Shavelson aufgenommen wurde. Sie verkörpern darauf nicht nur ihre starke Liebe zueinander (sie waren seit 1958 verheiratet), sondern auch ihre gemeinsame Liebe zum Kino. Ein wunderschönes und faszinierendes Paar im Film wie auch im echten Leben, an welches die Filmfestspiele in Cannes ihre Hommage richten.

Über das Programm des Festivals selbst ist noch nicht sonderlich viel bekannt, ich werde euch aber auf dem Laufenden halten. Ich bin jedenfalls schon sehr gespannt und freue mich darauf!

Nähere Infos zum Festival, auch über die Geschichte des Festivals und Hintergrundinfos, findet ihr hier.

Zu Woodward & Newman selbst gibt es einen recht ausführlichen, aber interessanten Artikel auf dieser Website. Es lohnt sich, reinzulesen!

Pour moi, le cinéma est une passion!

Langzeitdokumentation „Berlin – Ecke Bundesplatz“ (1986-2012)

Es ist ein Berliner Spätsommer Ende der 80er Jahre. In einer Bäckerei verkauft eine dunkelhaarige, lebenslustige Frau Brot und Brötchen an ihre Kunden. Es ist Gerda Dahms, wie ich später erfahren werde, die zusammen mit ihrem Mann, dem Bäckermeister Gerhard Dahms, ihr Geschäft am Bundesplatz in Berlin betreibt. Das Geschäft läuft gut. Es ist ein Familienbetrieb. Außer den beiden gibt es keine Mitarbeiter. Gerhard Dahms verrichtet seine Arbeit allein: Teig verrühren, backen, saubermachen. Seine Arbeit füllt ihn aus.

Auf den Straßen können wir das Leben der Menschen beobachten, die auf den Märkten Lebensmittel kaufen oder einfach spazierengehen. Alles erscheint langsamer und ruhiger, irgendwie menschlicher. Erinnerungen kommen hoch. Ich fühle mich zurückversetzt in meine eigene Kindheit.

Die Qualität des Filmmaterials hat bereits ein wenig gelitten, das sieht man. Aber es macht auch seinen nostalgischen Charme aus. Unterlegt mit der wunderschönen Musik von Arpad Bondy – erinnernd an die instrumentalen Stücke in französischen Bistros – gleitet Berlin, gleiten die Jahre an einem vorbei. Familie Dahms muss ihre Bäckerei verkaufen. Die Mieten werden teurer. Die Stadt wird umgebaut, erneuert. Alles soll moderner werden. Die kleinen Geschäfte müssen weichen. Frau Dahms findet eine neue Anstellung. Herr Dahms, der ruhige, ernsthafte kleine Mann mit dem lieben Gesicht, wird schwer krank. Zwölf Jahre begleiten die Dokumentarfilmer ihm auch auf diesem schweren Weg, jedoch immer zurückhaltend und respektvoll.

Es sind einfache Menschen, die kleinen Leute, die diese Dokumentation zeigt, und die einem vielleicht gerade deswegen so ans Herz geht.

Neben der Familie Dahms ist mir ganz besonders auch Familie Rehbein ans Herz gewachsen, mit dem etwas grummeligen Vater Gerhard Rehbein, dessen Job als Zugabfertiger in der U-Bahn eines Tages nicht mehr existiert, mit seiner herzerfrischenden Frau, die sich für die Familie aufopfert, und ihrem gemeinsamen Sohn Thomas Rehbein, der lange Zeit seinen Weg im Leben nicht finden kann.

Wer die Langzeit-Dokumentation „Berlin – Ecke Bundesplatz“ noch nicht kennt, sollte unbedingt einmal einen Blick hineinwerfen. 26 Jahre lang haben die Dokumentarfilmer Detlef Gumm und Hans-Georg Ullrich unterschiedliche Menschen und Familien in ihrem Alltag begleitet und gefilmt. Es gibt kein Drehbuch, keine Effekthascherei – und genau das macht den Charme dieser Dokumentation aus. Die Schicksale der Menschen werden authentisch und unaufgeregt erzählt. Nebenbei erleben wir den Wandel Berlins, politisch wie auch gesellschaftlich. Herausgekommen ist ein Stück Zeitgeschichte, das bewegt. Und ich kann nur sagen: Bitte mehr davon!

Weitere Informationen findet ihr u.a. auf den Seiten der Deutschen Kinemathek unter http://www.berlin-ecke-bundesplatz.de/. Dort gibt es auch zwei der Anfangsfolgen zu sehen, die nicht im Fernsehen ausgestrahlt wurden.

Zur Zeit laufen außerdem einige Folgen auf den Sendern RBB und WDR.

Die Sendezeiten:

RBB: 12.03. „Schornsteinfegerglück“ ab 23:30

WDR: 16.03. „Vater, Mutter, Kind“ ab 0:15

RBB: 19.03. „Vater, Mutter, Kind“ ab 22:45

WDR: 23.03. eine Doppelfolge ab 0:10 (Wdh. auf RBB am 26.03.)