TIFF 2014: Das Festival – Die Filme

Das Toronto International Film Festival (kurz: TIFF), welches gestern eröffnete, zählt mittlerweile zu einem der bedeutendsten Filmfestivals der Welt. Das Besondere: Es gibt, anders als bei anderen Filmfestivals keine Fachjury, die über den „besten“ Film entscheidet. Auch stehen die Filme untereinander nicht in offiziellem Wettbewerb. Stattdessen wählt das Publikum als wichtigster Teil mit dem „People’s Choice Award“ seinen Favoriten.

Entscheidend ist zudem, dass hier weniger Glanz und Glamour von Bedeutung sind (Toronto legt Wert auf Autorenfilme, auf ernsthaftere Filme, weshalb auch Komödien selten vertreten sind), sondern die Qualität der vorgestellten Filme, ebenso wie die Nähe zum Publikum (weshalb es passenderweise auch das Motto trägt: „This is your Festival“). Toronto hat sich in der Vergangenheit als ein Festival bewiesen, dessen Filme später mehrfach ausgezeichnet wurden und auf das deshalb die ganze Welt mit Spannung blickt. Für kleinere, unbekanntere (Independent-)Filmemacher, die es in die Auswahl des Festivalprogramms schaffen, kann dies daher das Sprungbrett für die große Karriere bedeuten.

Einige Kritik musste TIFF jedoch kürzlich einstecken, da es neuerdings in der Eröffnungswoche (an den ersten vier Tagen) keine Filme zeigen wollte, die bereits auf anderen Festivals liefen. Auf diese Weise sollten Filmemacher gezwungen werden, andere zuvor stattfindende Festivals (wie Telluride) zu umgehen. Dadurch jedoch, so die Kritik, habe es sich selbst um einige großartige Filme gebracht, die dennoch andere Festivals als Eröffnungsstart für ihre Werke bevorzugten. Man kann nur hoffen, dass TIFF sich im nächsten Jahr von dieser Regelung verabschieden wird.

Trotz alledem hat TIFF auch dieses Jahr wieder einige interessante Filme zu bieten.

Comedy
St. Vincent von Theodore Melfi: In St. Vincent freundet sich ein dem Alkohol zugetaner, heruntergekommener und zynischer Kauz (gespielt von Bill Murray) mit dem 12jährigen Nachbarskind an, und ist diesem zunächst, zum Leid der Mutter (gespielt von Melissa McCarthy), alles andere als ein gutes Vorbild.

The Cobbler von Thomas McCarthy: Adam Sandler als sinnsuchender Schuhreparateur, der mithilfe von Magie plötzlich die Gelegenheit bekommt, in die Schuhe (und damit das Leben) seiner Kunden zu schlüpfen.

Animation
Song of the Sea von Tomm Moore: Ein Geschwisterpaar auf der Suche nach dem magischen Geheimnis seiner Vorfahren wagt sich auf eine abenteuerliche Reise zum Meer.

The Tale of the Princess Kaguya von Isao Takahata: Studio Ghiblis neuestes, märchenhaftes Meisterwerk erzählt von einem Findelkind, das von seinen Pflegeeltern, einem Bambussammler und seiner Frau, Kaguya genannt und aufgezogen wird. Doch das mysteriöse Mädchen entstammt einer anderen Welt…

Romantic
Before we go von Chris EvansIm Regiedebüt von Chris Evans sorgt ein verpasster Zug dafür, dass zwei Fremde  gemeinsam eine Nacht in NYC verbringen, die ihr Leben verändern wird.

Men, Women & Children von Jason Reitman: Ein interessanter Film darüber, wie stark Internet und digitales Zeitalter das Leben von Teenagern und ihren Eltern beeinflussen.

Thriller / Crime
Gentlemen von Mikael Marcimain: Visuell ansprechendes, schwedisches Gangsterdrama nach dem autobiographischen Roman von Klas Östergren, welches diesem in eine Zeit der Korruption kurz nach dem Zweiten Weltkrieg folgt.

The Connection von Cédric Jimenez: Jean Dujardin entführt uns hier in der Rolle des Polizeichefs Jean Michel ins Frankreich der 70er Jahre, wo er einem der größten Drogenringe auf die Spur zu kommen versucht.

Drama
Revivre von Kwon-taek: Ein ergreifendes, melancholisches Drama um das Gefühlschaos eines Mannes, der kurz davor ist, seine krebskranke Frau zu verlieren, während er sich in Fantasien zu einer jüngeren Frau hingibt.

Miss Julie von Liv Ullman: Sinnliche Adaption des gleichnamigen Stücks von August Strindberg, in der die aristokratische Julie versucht, den verheirateten Hausdiener zu umgarnen.

The Riot Club von Lone Scherfig: Ein kritischer Blick auf einen elitären Studentenclub der Oxford University, der für zwei Studenten zum Maßstab für Aufstieg und Niedergang wird.

Maps to the Stars von David Cronenberg: David Cronenberg führt in dieser düsteren Satire über das verkorkste Leben von Stars und Sternchen Hollywoods Filmbusiness ad absurdum.

The Golden Era von Ann Hui: Der Film beleuchtet das frühe Leben der Schriftstellerin Xiao Hong zu Beginn der 30er Jahre in China.

The Humbling von Barry Levinson: Ein alternder, suizidgefährdeter Schauspieler (Al Pacino) stürzt sich in eine verhängnisvolle Affäre mit einer wesentlich jüngeren, lesbischen Frau.

The Imitation Game von Morten Tyldum: Biopic über den Mathematiker Alan Turing (Benedict Cumberbatch), der während des Zweiten Weltkriegs versucht, die Technik der deutschen Chiffriermaschine Enigma zu entschlüsseln.

Pasolini von Abel Ferrara: Ein Film über die letzten Tage des italienischen Regisseurs Pier Paolo Pasolini im Jahre 1975.

Madame Bovary von Sophie Barthes: Adaption von Gustave Flauberts gleichnamigen Roman um eine junge Frau, die sich aus Einsamkeit und Unzufriedenheit mit ihrer Ehe in diverse Liebschaften flüchtet.

Mehr Informationen über das Festival hier.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s